Di

11

Okt

2011

Illegale Vogeljagd in Südeuropa

Wenn die Zugvögel im Herbst unser Land verlassen, lauern unzählige Gefahren auf sie. Die grösste davon ist die illegale Vogeljagd in südlichen Ländern. Seit es die EU Vogelschutzrichtlinie gibt, geht es einigen Vogelarten zwar besser, aber jede 8. Spezies ist trotzdem vom Aussterben bedroht. Schuld daran haben auch zahlreiche Hobbyjäger an der Adria und am Mittelmeer. 

Seltene Ortolane stehen in Südfrankreich nach wie vor auf der Speisekarte. Auf Zypern ist das Fangen von Singvögeln nicht nur Volkssport, sondern auch ein lukratives Geschäft. Der illegale Verkauf an einheimische Restaurants lohnt sich. Auf Malta schiesst man einfach zum Spass Vögel vom Himmel, darunter auch mal seltene Exemplare wie Schreiadler oder Fischadler. In Bosnien sollte das Vogelschutzgebiet eigentlich Rastplatz sein für erschöpfte Zugvögel auf ihrer Reise nach Afrika. EuroNatur Projektleiter Martin Schneider-Jacoby entdeckte bei seinem Besuch, dass es aber eher der Frontlinie eines seinergleichen suchendes Feldzuges gegen wehrlose Vögel gleicht. Ach wie schön, dass der Mensch sich immer selbst beweisen muss, wie er doch allen anderen Geschöpfen überlegen ist. 

Malta wurde schon von der EU verklagt, ebenso Italien. Frankreich hat seiner Jagdlobby ebenfalls schon diverse Besuche vor Gericht zu verdanken.

Die sogenannte "Lanarca"-Erklärung wurde im Frühjahr bei einer internationalen Konferenz auf Zypern verabschiedet. Man war sich einig, dass nur eine Nulltoleranz Strategie gegen die Wilderer hilft. Bleibt die Frage, ob Polizei und Justiz der jeweiligen Länder das auch so mittragen.

Tradition gegen Artenschutz

Europa investiert Millionen Euro in den Schutz bedrohter Vogelarten, damit sie dann auf ihrem Weg nach Süden abgeknallt werden. Das kann nicht sein. Viele freiweillige Naturschützer helfen hierzulande den Vögel mit Nisthilfen, bewachen Nistplätze gegen Ruhestörungen oder verhandeln mit Landwirten, dass diese ihre Wiesen um Vogelnester herum mähen. Alle diese Mühen sind umsonst, wenn  Europa das Problem "Jagd" nicht in den Griff bekommt. Lokale und regionale Regierungen knicken vor der Jagdlobby ein (z.B. Lombardei in Italien). Jagd ist für viele Jäger Tradition, vielleicht ein Zeichen von Freiheit. Nur wissen wir doch alle, dass des einen Freiheit dort aufhört, wo die des anderen anfängt.