Di

24

Jan

2012

Agrarindustrie verdrängt ländliche Bauernhöfe

Lebensmittelskandale, Billigproduktion, Antibiotika im Fleisch, Massentierhaltung, Monokulturen statt Biodiversität: Die Kritik an der aktuellen Landwirtschaftspolitik ist lang. Die derzeitige Subventionspolitik steht europaweit unter Beschuss. In Berlin demonstrierten anlässlich der weltgrössten Landwirtschaftsmesse mehr als 23000 Menschen für Bauernhöfe statt Agrarindustrie.

Mehr als 90 Organisationen aus Landwirtschaft, Umwelt, Tierschutz, Entwicklungshilfe und Verbraucherschutz haben zu diesem Protest aufgerufen. Dass trotz schlechtem Wetter so viele Menschen teilnahmen, zeigt wie wichtig es ihnen ist. Industrielle Landwirtschaft bedeutet Tierquälerei und Umweltzerstörung. Dort wo besonders viele Massentierhaltungen sind (z.B. Niedersachsen) ist das Grundwasser verseucht. Ein grosser Teil des Fleisches wird aus Deutschland exportiert, die Gülle aber bleibt hier. Wiesen werden zu Äcker verwandelt mit Maismonokulturen für zunehmend mehr Biogasanlagen. Maisacker brauchen mehr Pestizide, sind ein Paradies für Wildschweine und Ratten, ansonsten aber eine ökologische Wüste. Viele Wiesenvögel wie Kiebitz und Uferschnepfe werden in unserer Landschaft immer seltener.

Wären auf der Fleischverpackung im Discounter Bilder, wie die Tiere gehalten werden, würde kaum einer mehr zugreifen. Aber nicht nur das. Die Tiere werden für schnelles Wachstum mit Medikamenten vollgepumpt mit negativen Auswirkungen auch für die menschliche Gesundheit. Selbst Starkoch Tim Mälzer bemängelte schon mehrfach, dass es seiner Meinung nach nicht sein kann, dass Fleisch billiger ist als Gemüse. Deutschland versucht sich derzeit als Billigfleisch Exportateur auf dem Weltmarkt zu etablieren mit negativen Folgen für Mensch und Natur im eigenen Land. In der deutschen Fleischindustrie gibt es keine Mindestlöhne, aber viele osteuropäische Gastarbeiter.

Die wenigen positiven Veränderungsvorschläge der EU Kommission (zum Beispiel 7 Prozent der Agrarflächen als ökologische Vorrangflächen auszuweisen) werden von den Bauernverbänden und ihren Verbündeten in den Landwirtschaftsministerien zerredet. Eine wachsende Weltbevölkerung zu ernähren sei wichtiger als Ökologie. Tatsächlich aber überschwemmen die europäischen subventionnierten Billigprodukte den afrikanischen Markt und ruinieren einheimische Kleinbauern. Dass sich auch Entwicklungshilfeorganisationen auf die Seite der Tierschützer stellen, zeigt dass die Lügen der Agrarindustrie immer mehr brökeln. Gleichzeitig zu behaupten, man kümmere sich um den Hunger in der Welt und dann auf den Äckern Pflanzen für Biogasanlagen anzubauen, passt irgendwie nicht zusammen. Die Pachtpreise sind durch den Anbau von u.a. Mais für diese Biogasanlagen derart gestiegen, dass immer mehr kleine Landwirtschaftsbetriebe in Deutschland aufgeben müssen.

Vor einigen Wochen hatte Radio Aktiv mit Raymond Andekerk von "Natur an Emwelt" über das Thema Agrarreform gesprochen. Das Interview ist in unserem Audio Archiv

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