Gewinner und Verlierer 2011
Wer waren im Jahr 2011 die Gewinner und Verlierer im Umweltschutz und Naturschutz?
Gewinner 2011
Die Serengeti: Nach weltweiten Protesten und dem Einsatz der Weltbank verzichtet Tansania auf den Bau einer Strasse durch die Serengeti. Diese Strasse hätte die grösste Tierwanderung der Welt (Gnus, Zebras, Büffel) unterbrochen. Weitere Projekte konnten weltweit dank dem Einsatz zahlreicher Menschen verhindert werden. In Bolivien wurde ein Strassenprojekt durch einen Naturpark verhindert, in Kolumbien Erdölbohrungen im Biosphärenreservat und in Burma der Bau eines Staudamms. Auch Staudammprojekte am Mekong wurden zurückgesetzt.
Kaza: Fünf afrikanische Staaten beteiligen sich am zweitgrössten Naturschutzgebiet der Erde. Angola, Botswana, Namibia, Sambia und Simbabwe wollen unter dem Namen "Kaza" bestehende Schutzgebiete vernetzen und so den Tieren ihre Wanderwege wiederherstellen. Auch der Tourismus profitiert.
Wir sind 99 Prozent: Menschen gehen auf die Strasse weltweit, unterschreiben Protestmails oder schreiben Briefe an politische Entscheidungsträger. Sie protestieren gegen Banken, gegen Bahnhöfe und für mehr Gerechtigkeit. 2011 war auf jeden Fall das Jahr des Widerstandes. Widerstand gegen Unterdrückung, gegen Naturzerstörung und gegen die Macht einzelner Konzerne.
Tiger: Der Tiger kommt nur in Asien vor und ist nach wie vor vom Aussterben bedroht. Zumindest in Indien hat sich die Zahl der Tiger erhöht. Waren es 2007 nur noch 1400 Tiere, sind es jetzt wieder etwa 1700. Indien hat die grösste Tigerpopulation in freier Wildbahn weltweit. Aber auch im Nepal gibt es Hoffnung. Im Vietnam dagegen ist die Zahl der Tiger in 10 Jahren um die Hälfte geschrumpft.
Wölfe in Europa: In Deutschland und in Frankreich hat sich die Zahl der Wölfe erhöht. Im Osten Deutschlands wurden 12 Rudel gezählt, in Frankreich gab es 2011 bei mindestens 14 Rudeln Nachwuchs. Allerdings wurden auch so viele tote Wölfe gefunden wie noch nie seit ihrer Rückkehr. In Frankreich sind Abschüsse (legale und illegale) die Haupttodesursache, in Deutschland wurden viele Tiere überfahren. Dank dem Einsatz der EU Kommission findet bis auf weiteres in Schweden keine Lizenzjagd auf Wölfe mehr statt.
Haie: Zahlreiche Haiarten sind in ihrem Bestand bedroht. Die gute Nachricht ist, dass immer mehr Staaten das Töten von Haien verbieten. Die Marshall Inseln haben das grösste Haischutzgebiet der Welt ausgewiesen. Kalifornien hat ein Gesetz gestimmt, das den Handel mit Haifischflossen verbietet. Ausserhalb Asiens ist Kalifornien der grösste Umschlageplatz für Haiflossen. Ein Problem bleibt die illegale Fischerei und die Nachfrage in Asien nach Haifischflossensuppe.
Seehunde: Im Wattenmeer wurden so viele Seehunde gezählt wie seit 100 Jahren nicht mehr. Vor den Nordseeküsten Deutschlands, Dänemarks und den Niederlanden leben wieder mehr als 24000 Seehunde. Als Konkurrent der Fischer wurden sie bis 1974 gejagt und stark dezimiert. Auch Kegelrobben kehren wieder langsam zurück.
Berggorilla: Laut Umweltstiftung WWF gibt es wieder 780 Berggorillas weltweit. Das sind wenige, aber zumindest wieder ein Siebtel mehr als noch vor 12 Jahren. Erfreulich ist auch, dass die demokratische Republik Kongo ein Ölförderungprogramm im Virunga Nationalpark vorläufig suspendiert hat, bis die Auswirkungen auf die Umwelt geklärt sind.
Iberischer Luchs: Laut der neusten Zählung gibt es fast wieder 300 iberische Luchse in Spanien. Der iberische Luchs bleibt eine der gefährdesten Katzenarten weltweit, aber seine Zahl hat sich in den letzten Jahren praktisch verdoppelt und im Vergleich zu 2010 um 10 Prozent erhöht. In der Region Guadalmellato, wo der Luchs wieder eingebürgert wurde, gab es erstmals Nachwuchs in freier Wildbahn. 7 Jungtiere wurden gezählt.
Fischotter: Der Fischotter ist wieder in allen Landesteilen Englands heimisch. Selbst in Kent wurden die Tiere wieder gesehen und in Gegenden, wo sie lange Zeit verschwunden waren. Die gute Nachricht ist, dass viele europäischen Flüsse wieder sauberer sind als noch vor 40 Jahren. Allerdings gibt es in Osteuropa einige Länder (z.B. Kroatien), die Pläne verfolgen natürliche Flussläufe für die Schifffahrt zu kanalisieren. Das wäre für Europas Flussfauna eine schlecht Nachricht.
Verlierer 2011
Der Mensch: Im Jahre 2011 häuften sich die Naturkatastrophen und die Prognosen der Klimaforscher haben sich bestätigt. Dürren in OStafrika und Texas, Hurrikane in den USA, Überschwemmungen in Asien. Wenn der Mensch es nicht schafft mit weniger Ressourcen auszukommen und die Umweltbelastung zu reduzieren, dann wird es eng für die derzeit nach UN Schätzungen rund 7 Milliarden Menschen.
Nashörner: Im Jahr 2011 wurden so viele Nashörner in Südafrika gewildert wie seit den 70er Jahren nicht mehr. Grund dafür ist die Nachfrage in der traditionnellen asiatischen Medizin, wo horrende Preise bezahlt werden. Besonders bedenklich: Das Horn besteht aus der gleichen Substanz wie menschliche Fingernägel und hat keinerlei heilende Wirkung.
Elefanten: Elefanten sind sehr soziale Tiere. Durch den Elfenbeinhandel sind in vielen Teilen Afrikas die Elefanten Populationen gesunken und gefährdet. Das Jahr 2011 war ein Negativjahr. Es wurde so viel illegales Elfenbein konfiskiert wie seit den dramatischen 80er Jahren nicht mehr, wo die Zahl wildlebender Elefanten in Afrika halbiert wurde. Von Kenya oder Tansania wird das Elfenbein nach Asien geschmuggelt. Von Malaysia dann meistens weiter nach China oder Vietnam.
Eisbären: Eisbär Knut starb im Berliner Zoo im März 2011. Seine wildlebenden Artgenossen erwartet ein ungewisse Zukunft, denn das Eis am Nordpol schmilzt weiter. Der Ausstoss von CO2 hat ein Rekordhoch erreicht trotz allen Anstrengungen im Klimaschutz. Im Dezember 2011 hat Kanada das Kyoto Protokoll verlassen.
Bienen: Bienen bestäuben einen Grossteil der menschlichen Nutzpflanzen und sind somit für den Menschen unersetzlich. Dass Bienen in den letzten Jahren in Europa und Nordamerika in grossem Masse sterben, hat die Wissenschaft erschreckt. Gründe für das mysteriöse Massensterben: Milben und Parasiten, Einsatz von Giftstoffen in der Landwirtschaft, ausgeräumte Landschaften. Bisher scheitert ein Umdenken in der europäischen Subventionspolitik an dem Widerstand der Agrarlobby.
Wölfe in den Rocky Mountains: Im Jahre 2010 hatte US Richter Donald Molloy eine Wolfsjagd in den Bundesstaaten Idaho und Montana verhindert. Im Jahre 2011 hat der amerikanische Kongress ein Gesetz gestimmt, was den Wölfen den Schutzstatus aberkennt. Eine Premiere in den Vereinigten Staaten, wo nun erstmals die Willkür der Politik und nicht die Wissenschaft entscheidet, ob eine Tierart geschützt werden muss oder nicht. Hunderte Wölfe wurden schon abgeschossen. In Idaho und Montana gibt es nur 1200 Wölfe.
Zugvögel: 70 bis 80 Prozent unsere heimischen Vögel ziehen im Winter gegen Süden. Dort erwarten sie illegale Fallen und Gewehre. Obschon die EU Vogelschutzrichtlinie ganz klare Vorgaben macht, werden in Italien, Südfrankreich, Malta, Zypern, Spanien und vielen anderen Ländern Vögel illegal getötet. Einigerorts gelten Singvögel als Deliktesse, andererorts wird einfach auf Spass auf alles geschossen, was durch die Luft fliegt. Ohne Rücksicht darauf, dass andere Staaten aufwendige Schutzmassnahmen für bedrohte Vögel betreiben.
Australische Tierwelt: Viele australische Tierarten kommen nur dort und nirgendwo anders vor. Trotzdem sind kaum irgendwo anders so viele Tierarten gefährdet wie in Australien. Auch das Wappentier, der Koala ist stark bedroht. Durch Krankheiten, aber auch durch den Strassenverkehr, freilaufende Hunde, Klimawandel und Lebensraumverlust. "No Tree, no me" heisst der Slogan einer Naturschutzorganisation, die sich für den Koala einsetzt.
Wale: Viele Walarten haben sich noch immer nicht von der Jagd, die auf sie gemacht wurde, erholt. Trotzdem konnten sich die Teilnehmerstaaten der Walschutzkommission nicht auf Schutzgebiete einigen. Vor allem Japan, das Wale weiterhin jagen will, blockiert alle Schutzbemühungen. Wale sind durch Unterwasserlärm gefährdet und durch Öllecks.
Schleiereulen: Die letzten 2 harten Winter haben den Schleiereulen schwer zugesetzt, da sie unter der Schneedecke keine Mäuse fangen konnten. In einigen Teilen Deutschlands ist die Population um bis zu 90 Prozent gesunken.
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